Renovierung und Umbau der Hauptorgel „St. Gregorius“

Die Hauptorgel im Bozner Dom wurde im Jahre 1964 von der Schweizer Orgelbaufirma „Metzler & Söhne“ mit 41 Registern, verteilt auf drei Manuale und Pedal gebaut.
Das Instrument stammt von einem der besten Orgelbauer der damaligen Zeit und war richtungsweisend für den weiteren Orgelbau in Südtirol.
Nach über 50 Jahren zeigt die Metzler-Orgel/Domorgel zum heutigen Zeitpunkt massive Verschleißerscheinungen am Material, die durch die durchgehend hohe Beanspruchung über die Jahre entstanden sind.
Immer häufiger kommt es zu plötzlichen Ausfällen des Instrumentes, weshalb letztendlich die Verantwortlichen der Dompfarre auf Bitte von Domkapellmeister Mag. Tobias Chizzali M.A. die Firma Metzler um eine Bestandsaufnahme der Orgel gebeten haben.

Das Ergebnis liegt nun vor und bestätigt die Vermutung, dass eine Generalsanierung des Instrumentes unbedingt erforderlich ist.
Zusammenfassung der Expertise:

  • Das Instrument ist heute über 50 Jahre alt und hatte einen besonders hohen Einsatzquotienten.
  • Eine umfassende Renovierung, die das ganze Innenleben der Orgel betrifft, ist unumgänglich.
  • Es zeigt sich an vielen Stellen eine ausgeprägte Materialermüdung, weshalb zahlreiche Verschleißteile ehestens auszuwechseln sind.

Gleichzeitig wurde auch auf die Schwachstellen der Orgel hingewiesen: die Orgel ist für den größten Kirchenraum Südtirols zu klein dimensioniert und erfüllt im jetzigen Zustand nicht die Voraussetzung, Orgelmusik sämtlicher Epochen zu interpretieren.

Die Leitung der Dompfarrei Bozen hat in Anbetracht dieser Expertise eine Orgelkommission ernannt, die aus administrativen Vertretern der Bozner Dompfarrei und drei Orgelfachleuten besteht.
Diese Kommission hatte zum Ziel, eine für den Bozner Dom geeignete Lösung zu finden, wobei die Gesichtspunkte sinnvoller Aufbau, technische Realisierbarkeit und realistische Finanzierung maßgebend waren.

Mitglieder der Orgelkommission

  • Bernhard Holzer Dekan
  • Pater Urban Stillhart, OSB Vorsitzender der diözesanen Orgelkommission
  • Tobias Chizzali Domorganist/Domkapellmeister Bozen
  • Franz Comploi Domorganist Brixen
  • Franz Oberkofler Vorsitzender der Dommusik
  • Veronika Mair Tutzer Obfrau des Domchores, Vorstandsmitglied der Dommusik
  • Werner Wallnöfer Präsident des Vermögensverwaltungsrates der Dompfarre Bozen
  • Hans Unterholzner Vorstandsmitglied des Domchores

Es entwickelte sich nun eine Grundsatzdiskussion über die Möglichkeit der Generalsanierung mit Erweiterung der bestehenden Orgel oder einem Orgelneubau.
Nach eingehender Diskussion sämtlicher Möglichkeiten und Vorschläge hat sich die Orgelkommission den einstimmigen Empfehlungen der drei Orgelfachleute angeschlossen, und für eine Generalsanierung und Erweiterung der bestehenden Metzler-Orgel optiert, mit folgender Begründung:

  • Die Metzlerorgel aus dem Jahre 1964 ist inzwischen ein historisch wertvolles und demnach erhaltenswertes Instrument.
  • Die Orgel gilt in der Fachwelt als sehr gutes Instrument mit Eigencharakter und als ein Zeitzeugnis der Orgelbewegung.
  • Die Orgel von 1964 ist vielen Boznerinnen und Boznern ans Herz gewachsen, da sie nur durch die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung realisiert werden konnte.

Eine Skizze aus dem Jahre 1961 zeigt die Aufstellung der Orgel wie sie damals nicht gebaut werden durfte. Die Realisierung dieser Aufstellung wurde wegen der denkmalpflegerischen Auflage, die Rosette sichtbar zu lassen, verhindert.
Die Skizze dient nun als Vorlage für den Umbau.

 

Zusätzliche notwendige Maßnahmen

  • Zentrierung (Umstellung) der Orgel aus optischen und musikalischen Gründen
  • Neuaufstellung des Pedals rechts und links der Orgel um eine akustische Optimierung zu erreichen. Das Pedal war bisher klanglich zu leise.
  • Erneuerung der Spielanlage (Spieltisch) wegen Umstellung des Pedals.
  • Neubau des Chorpodiums mit dem Ziel, ein besseres klangliches Ergebnis zu erreichen und eine optimalere Aufstellung des Chores/Orchesters durch ein leicht zusammensetzbares Podium zu ermöglichen.

Ergänzung der Orgel durch ein 4. Manual

  • 15 neue Register in einem Schwellkasten hinter der Orgel mit dem Ziel, auch romantische Musik klanggerecht zu interpretieren.

 

Neue Disposition: 59 klingende Register Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch

Hauptwerk (HW, II.)
C-g3 56 Tasten
Pommer 16’
Prinzipal 8’
Rohrflöte 8’
Flûte harm. 8’ (ab f°)**
Spitzgambe 8’
Oktav 4’
Nachthorn 4’
Quinte 2 2/3
Octave 2’
Cornet 8’ (ab g°)
Mixtur 1 1/3
Zimbel 2/3
Trompete 16’
Trompete 8’*
Chamade 8’*
abstand
Rückpositiv (RP, I.)
C-g3 56 Tasten
Gedackt 8’
Quintatön 8’ (ab c°)
Prinzipal 4’
Rohrflöte 4’
Sesquialtera 2 2/3’+1 3/5
Oktav 2’*
Larigot 1 2/3
Scharf 1’
Krummhorn 8’
Zymbelstern
-Tremulant-
abstand
* neue Register
** statt Voce umana 8’
*** war im Rückpositiv
**** war im Hauptwerk
Schwellwerk (SW, III.)
C-g3 56 Tasten
Bordun 16’*
Prinzipal 8’*
Hohlflöte 8’*
Gambe 8’*
Vox celestis 8’ (ab c°)*
Oktav 4’*
Traversflöte 4’*
Nasard 2 2/3’*
Waldflöte 2’***
Terz 1 3/5’*
Mixtur 2 2/3’*
Fagott 16’*
Trompete 8’****
Oboe 8’*
Clairon 4’*
-Tremulant-
abstand
Brustwerk (BW, IV.)
C-g3 56 Tasten
schwellbar
Holzgedackt 8’
Spitzgedackt 4’
Prinzipal 2’
Terzian 1 3/5’+1 1/3
Sifflflöte 1’
Zimbel 1/2
Regal 16’
Vox humana 8’
-Tremulant-
Pedal
C- f30 Tasten
Untersatz 32’*
Prinzipal 16’
Subbass 16’
Bordun 16’ (Transm.)*
Oktav 8’
Pommer 8’
Hohlflöte 8’ (Transm.)*
Oktav 4’
Nachthorn 2’
Mixtur 2 2/3
Posaune 32′
Posaune 16’
Trompete 8’
Clarion 4’
abstand
Spielhilfen
Koppeln:
RP-HW
HW-RP (el.)
SW-HW (el.)
BW-HW
SW-RP
BW-SW
RP-Ped
HW-Ped
SW-Ped
BW-Ped
Setzeranlage
2 Schwelltritte (BW, SW)
Crescendotritt